Wenn ich groß bin, werde ich Lehrerin

Seit ihrer Kindheit steht für Annalena Szegedi fest, dass Sie Lehrerin werden möchte. Um sicherzugehen, dass ihr Traum sich nicht in Wohlgefallen auflöst, wenn er auf die Realität trifft, beschließt die 19-jährige Magdeburgerin nach dem Abitur, sich in einem Freiwilligendienst an einer Grundschule auszuprobieren.

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Annalena Szegedi – Foto: Gregor Hillmann

In der 12. Klasse stand für Annalena fest, dass sie ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) machen möchte. Nachdem die Schulzeit für sie mit viel Leistungsdruck verbunden war, wollte sie nicht direkt in ein Studium gehen. Denn eigentlich war ihr Berufswunsch klar, seit sie ein kleines Mädchen war: schon mit acht Jahren träumte sie davon, Grundschullehrerin zu werden. Dann, in der Abiturphase, war sie etwas unsicher, ob dieser Wunsch noch aktuell und gut für sie war. Mit einem FSJ in einer Grundschule wollte sie genau das für sich herausfinden.

Ganz gezielt hat sie sich deshalb bei drei Grundschulen in Magdeburg beworben. Nach einiger Zeit erhielt Annalena dann eine Rückmeldung von der St. Mechthild-Grundschule – zeitgleich übrigens, mit dem Vorschlag des Referats Freiwilligendienste des Caritasverbandes, in genau dieser Grundschule einen Probetag zu absolvieren. Wenn das mal kein Zeichen war! Sie nahm an.

Ich muss flexibel sein – aber das ist kein Problem

Gleich zu Beginn stand fest: „Ich muss flexibel sein – aber das ist kein Problem bei mir!“ So war sie anfangs unterstützend in einer ersten Klasse tätig. Durch die Teilnahme am Sportunterricht sowie im Chor und bei der Vorbereitung bestimmter Feste nahm sie den Lehrer*innen viel Arbeit ab.

Zu Jahresbeginn kam dann eine neue Herausforderung auf sie zu. Ein 10-jähriges Mädchen aus Mexiko kam neu in die dritte Klasse. Sie sprach kein Wort Deutsch, sondern konnte sich ausschließlich auf Spanisch und Englisch verständigen. Aufgrund des Lehrermangels war ein Einzelunterricht nicht möglich und so wurde Annalena gefragt ob sie sich eine Einzelbetreuung vorstellen könnte und zutrauen würde. Sie konnte und saß fortan mit im Unterricht in der dritten Klasse und übersetzte die deutschen Inhalte ins Englische. Dabei konnte Annalena sich auch immer an die Förderlehrerin der Schule wenden, die den Unterricht mit ihr vorbereitet und sie mit entsprechenden Materialien ausgestattet hat. „Dieser Unterricht an sich war auf jeden Fall eine andere Erfahrung.“ – Eine, die sie aber darin bestärkt hat, „Englisch“ als Kernfach zu studieren.

Nach einer Eingewöhnungsphase – „die Arbeit im Vergleich zur Schulzeit ist etwas komplett anderes“- erfuhr sie eine große Offenheit des Kollegiums. Bereits am 2. Tag bot ihr die Schulleiterin das „Du“ an.  „Ich hatte wirklich Glück, dass es mir das ganze Team super leicht gemacht hat.“ Das äußert sich dann auch gleich im positiven Feedback der Kollegen, die ihr sagen: „Es wäre eine große Hilfe, dass ich da bin, egal was ich mache.“

Seminare sind unglaublich cool

Neben der Tätigkeit in „ihrer“ Schule standen im FSJ auch insgesamt fünf Bildungsseminare auf dem Programm. Und auch wenn sie ehrlicherweise zugibt, dass sich ihre Motivation vor dem ersten Seminar doch in Grenzen hielt, legte sich dieses Gefühl doch schnell, als sie erst einmal daran teilnahm. So empfand Annalena die Treffen in der Seminargruppe immer als eine „unglaublich coole Zeit“, in die sie sich auch regelmäßig inhaltlich mit einbrachte. Wichtiger als die Vermittlung von bestimmten Inhalten war ihr jedoch die Möglichkeit des Austausches mit den anderen Freiwilligen: Was machen andere – wie läuft es bei ihnen? Dieser Blick über den Tellerrand war wichtig für sie, da sie als einzige FSJlerin in der Schule schon in einer „eigenen Welt“ gelebt hat.

Ein eigenes Projekt konnte sie auch entwickeln: mit einer Kollegin, deren Mutter im Altenpflegeheim „Bischof-Weskamm-Haus“ wohnt, entstand die Idee, ein kleines Programm für dessen Bewohner zu gestalten. Dazu übte die Musiklehrerin mit den Kindern der ersten Klasse Lieder ein, die auch den älteren Menschen bekannt sind, wie z.B. „Die Vogelhochzeit“. Annalena begleitete die Schüler*innen dann zum Aufeinandertreffen der Generationen. Besonders der gemeinsame Gesang wurde von allen als „total schön“ empfunden. Und nachhaltig war dieses Projekt auch noch – so sollen auch in Zukunft weitere Besuche von Grundschülern im Altenpflegeheim stattfinden und gemeinsam gesungen werden.

Ich bin froh, dass ich das gemacht habe

Rückblickend war Annalena überrascht von der Fülle, der verschiedenen Erfahrungen, die sie machen durfte und auch, wie aktiv sie in allem mit eingebunden wurde. So empfand sie sich stets als einen Teil des Teams – sämtliche Erwartungen wurden mehr als erfüllt: „Ich bin froh und dankbar dafür, dass ich dieses Jahr gemacht habe!“

Wenig verwunderlich also, dass sie jedem, der sie fragt, empfiehlt selbst einen Freiwilligendienst auszuprobieren. Für sich selbst sagt sie, dass sie im vergangenen Jahr ganz klar gewachsen ist, „weil es einen selbst noch mal auf einer ganz anderen Ebene trifft. Man kann  sich auch mal außerhalb von Schule, Studium und Lernen erleben und erfahren, bevor man dann ins Arbeitsleben geschmissen wird.“

Wichtig ist einfach für alles offen zu sein, was auf einen zukommt. Und dass man sich nicht so von seinen Erwartungen leiten lässt sondern von dem, was man erfahren darf. „Wenn man es schafft, sich von Anfang an von vorgefertigten Bildern und Befürchtungen zu lösen, kann man supertolle Erfahrungen machen.“ Damit ist man offen für die Erfahrung „Das ist es!“ oder die Erkenntnis „Das war`s nicht.“- und kann sich im Zweifel einfach umorientieren. Immer hatte Annalena auch das Gefühl gehabt: „Es ist jetzt nicht schlimm, wenn ich „nein“ sage.“

Das liegt dir einfach im Blut

Und ihr Fazit? „Wenn man mit jeder Herausforderung über die eigenen Grenzen hinausgeht, entdeckt man komplett neue Stärken.“ Die damit erworbene Selbstständigkeit findet sie ganz wichtig – besonders auch für das kommende Studium.

„Ich habe mich von vielen Vorstellungen gelöst. Der Druck, den ich mir immer selber gemacht habe, in der Schule – der ist jetzt einfach gar nicht mehr da! Weil ich erkannt habe, dass das wirklich meine Stärke ist: Das Arbeiten in der Grundschule. Dafür muss ich nicht die besten Noten haben, sondern ich sehe, was ich praktisch umsetzen kann.“ Eine Kollegin hatte zu ihr gesagt: „Ich glaube, das liegt dir einfach im Blut, Annalena!“ So eine tolle Bestätigung zu erfahren, macht dann natürlich unglaublich sicher in der Berufswahl.

Und wie geht es nun weiter? Vor kurzem kam die Zulassung zum Studium in Dresden: Grundschullehramt – Kernfach Englisch. Zwischen halb gepackten Umzugskartons ist das Ziel schon deutlich in Sicht und im Oktober geht es los für Annalena. „Wenn ich danach mein Referendariat in der Mechthild-Grundschule machen möchte, kann ich  das jederzeit tun. Sie würden mich sehr gern „zurücknehmen“.

Und wer weiß? Vielleicht trifft sie ja dann auch auf ein achtjähriges Mädchen, das sich begeistern lässt und anschließend davon träumt Lehrerin zu werden.

Interview: Gregor Hillmann

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